Ernteberichte

Die Ernte 2020 im Überblick

Bereits Mitte August war, mit Ausnahme einzelner Gebiete, die Getreideernte 2020 abgeschlossen. Beschrieben wird die Ernte 2020 von Fachleuten als leicht unterdurchschnittlich, wobei erhebliche, regionale Unterschiede vorliegen.

Wechselhafte Vegetationsbedingungen prägten den Aufwuchs der Pflanzen in der diesjährigen Ernte. Schon die Bedingungen für die Aussaat waren in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. Während z.B. in verschiedenen Regionen in Norddeutschland, trotz der Dürre der letzten beiden Jahre, die Bestellarbeiten zügig umgesetzt werden konnten, gab es in anderen Regionen durch Nässe Verzögerungen.

Im Dezember 2019 konnten dennoch die Landwirte eine gute Bestandsentwicklung der Pflanzen verzeichnen. Das milde, trockene und zu warme Klima im Winter und den ersten Wochen des Frühlings, ließ die Pflanzen leiden, so dass es zu einem verzögerten Wachstum kam. Der kühle Mai und die zahlreichen Niederschläge im Juni vermieden zwar größere Ertragseinbußen, jedoch kam es regional und während der Getreideblüte zu Infektionen der Pflanzen (u.a. mit Fusarien). Die Natur konnte dann das im Frühjahr verzögerte Wachstum nur bedingt aufholen, so dass der Drusch, etwas später als im Vorjahr, Mitte Juli in verschiedenen Regionen begann.

Quantitativ liegt die Weichweizenernte 2020 in Deutschland und der EU unter der des Vorjahres und unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Während in der EU in diesem Erntejahr ca. 128 Mio. t Weichweizen geerntet wurden (Vorjahr ca. 147 Mio. t), ernteten die Landwirte in Deutschland ca. 21,3 Mio. t (Vorjahr ca. 22,9 Mio. t). Es wurde beim Weichweizen zwar eine Ertragssteigerung pro ha erzielt, jedoch verringerte sich die Produktionsmenge im Vergleich zum Vorjahr durch die reduzierten Anbauflächen (minus 9,8 %).

Beim Roggen verzeichnen wir in diesem Jahr eine Erntemenge von ca. 3,4 Mio. t, welche nahezu vergleichbar mit der des Vorjahres von ca. 3,2 Mio t ist. Die leichte Produktionssteigerung ist mit einer Ertragssteigerung begründet, da die Anbauflächen des Roggens auf dem Vorjahres-Niveau blieben. (Quellen: DRV und Stratégie grains)

Qualitativ stellt sich die Weizen-Ernte, aufgrund der beschriebenen, regional unterschiedlichen Bedingungen, als heterogen und qualitativ breit gefächert dar. Wir ermitteln jedoch nahezu bundesweit spürbar geringere Proteinmengen, was sicherlich klimatische Ursachen hat, aber auch auf eine reduzierte Stickstoffdüngung zurückzuführen ist. Die Verkaufsmenge aller stickstoffhaltigen Dünger sank in dieser Ernte um 10 % (Quelle: agrarheute.com).

Die Menge und Qualität des Weizenklebers sind mit denen des Vorjahres in vielen Regionen vergleichbar. Der Weizenkleber wird häufig als gut dehnbar und elastisch beschrieben.

Die Qualität der Stärke (Verkleisterungseigenschaft) ist mit der des Vorjahres vergleichbar. Tendenziell sind auch regional geringfügig gesteigerte Wasseraufnahmen ermittelt worden.

Aufgrund des beschriebenen wechselhaften Klimas kam es, im Gegensatz zu den extrem heißen und trockenen Erntejahren 2018 und 2019, zu einer Senkung der Fallzahl und somit zur Steigerung der korneigenen Enzymaktivität.

Während beim Weichweizen die Fallzahlen gesunken sind, sind die des Roggens auf Vorjahresniveau geblieben. Auch die Stärkequalität ist mit der des Vorjahres vergleichbar.

Der Gesundheitszustand des Getreides der diesjährigen Ernte erfordert jedoch eine erhöhte Aufmerksamkeit. Wie beschrieben, kam es während der Blüte in verschiedenen Regionen zu unerwünschten, jedoch nicht zu vermeidenden Infektionen der Pflanzen. Die Folgen sind z.T. erhöhte Belastungen mit Mutterkorn oder aber auch mit Mykotoxinen in einigen uns bekannten Regionen. Unsere Mühlen werden dieser Herausforderung gerecht, in dem die Kontrolldichte gesteigert wurde und so mangelhafte Anlieferungen frühzeitig erkannt werden. Bei auffälligen Anlieferungen wird entsprechend die Annahme verweigert. Zusätzlich werden frühzeitig Lieferungen aus Regionen mit einem möglichen Risiko ausgeschlossen. Ergänzend stellt unsere permanent überwachte Getreidereinigung eine weitere Sicherheitsbarriere, zur Gewährleistung der Produktsicherheit, dar.

Die aufgezeigten Getreidequalitäten stellen auch in diesem Jahr eine sehr gute Grundlage für die Herstellung von Brot und Brötchen dar. Details bzgl. der zu erwartenden Mehlqualitäten inkl. der Hinweise zur Anwendung können den aktuellen Ernteberichten der einzelnen Mühlen der GoodMills Deutschland GmbH entnommen werden.