Ernteberichte

Die Ernte 2019 im Überblick

Die Folgen des extremen Sommers 2018 und auch das Klima während des Aufwuchses und Drusches in diesem Jahr nahmen gemeinsam erheblichen Einfluss auf die Erträge und Qualitäten des Getreides. So konnten viele Felder aufgrund der Dürre nur unter stark erschwerten Bedingungen bestellt werden. Der Erntezeitpunkt bzw. der Drusch erfolgte in verschiedenen Regionen bis zu drei Wochen früher.

Im Gegensatz zum vergangenen Erntejahr verzeichnen wir aber quantitativ und qualitativ ein deutlich heterogeneres Bild, was mit dem unterschiedlichen Klima in den verschiedenen Regionen begründet ist. Während z.B. im Süden Deutschlands regional eine kühle Witterung und Niederschläge einen positiven Einfluss auswirkten, verschärfte die langanhaltende Dürre im Nord-Osten Deutschlands die Situation. Bundesweit ermittelten wir jedoch grundsätzlich geringere Hektolitergewichte und Ganzkornaschen.

Quantitativ lag die Ernte in Deutschland über der des Vorjahres. So wurden in Deutschland lt. DRV ca. 23,5 Mio. t Weichweizen (Vorjahr ca. 19,6 Mio. t) geerntet. Diese Produktionssteigerung ist u.a. mit der Steigerung der Anbauflächen und der Erträge pro ha begründet. So wurde 2018 eine Fläche von ca. 2890 und in 2019 eine Fläche von 3050 (beides in 1000 ha) bewirtschaftet. Der landesweite Ertrag beim Weizen liegt bei ca. 7,6 t/ha (Vorjahr: 6,7 t/ha).

Beim Roggen verzeichnen wir in diesem Erntejahr ebenfalls eine Steigerung der Produktionsmengen. 2019 konnte die Landwirtschaft ca. 640.000 t ernten (Vorjahr ca. 520.000 t). Auch beim Roggen ist diese Zunahme durch die Vergrößerung der Anbauflächen (2019: 523 / 2018: 641; jeweils in 1000 ha) und durch eine Steigerung der Erträge begründet. So lag der Ertrag 2019 bei ca. 54 dt/ha während in 2018 lediglich 42 dt/ha erzielt wurden.

Qualitativ stellt sich die Weizen-Ernte, aufgrund der beschriebenen regional unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, als sehr heterogen dar. Wir ermitteln jedoch nahezu bundesweit geringere Protein- und Klebermengen, was sicherlich u.a. mit den gesteigerten Hektarerträgen begründet ist. Darüber hinaus sind dieses sicherlich auch erste Auswirkungen der umgesetzten Dünge-Verordnung.

Der Weizenkleber verfügt über, trotz der geringeren Menge, gute bis sehr gute Eigenschaften. Durch die extreme Hitze, bei fehlenden Niederschlägen ist zwangsläufig die Enzymaktivität erneut extrem gering, was sich wieder in erhöhten bis stark erhöhten Fallzahlen und Amylogramm-Einheiten niederschlägt. Die Stärke ist in vielen Regionen, im Vergleich zum Vorjahr, weniger beschädigt. Der Zusammenhang der reduzierten Kleber- und Proteinmenge sowie der leicht veränderten Stärkequalität nimmt direkt Einfluss auf die Wasseraufnahme. So verzeichnen wir eine Reduzierung der Wasseraufnahme (ermittelt im Faringramm) um 1-2 %. In einigen Regionen sogar bis zu 3 %.

Die großen Unterschiede in der Wasseraufnahme sind aber nicht besorgniserregend, da wir bei den analytisch auffälligen Mehlen im praktischen Backversuch, mit der gewohnten und deutlich höheren Teigausbeute, normale Teigeigenschaften (keine Oberflächenfeuchte und gut elastische Teige) sowie ein gutes Backvolumen mit ansprechendem Ausbund erzielen konnten.

Die Unterschiede in der Wasseraufnahme sind mit der Knetintensität des Laborkneters des Farinographens begründet. Dieser Laborkneter knetet in kurzer Zeit deutlich intensiver als praxisübliche Kneter, so dass die erforderliche Zeit für eine gute Durchmischung und Quellung nicht ausreichend ist. Der Teig kann sich so nicht optimal entwickeln und bindet weniger Wasser.

In der täglichen Praxis kann durch eine schonende Knetung, der sog. Quellknetung, die Teigausbeute nahezu auf Vorjahresniveau gehalten werden und zudem die gewohnt gute Gebäckqualität erzielt werden.

Analog zum Weizen sind natürlich auch die Enzymaktivitäten des Roggens mit denen des Vorjahres vergleichbar bzw. gelegentlich unter denen des Vorjahres. Hier liegen jedoch gute Stärkequalitäten vor, die das Backergebnis nicht negativ beeinflussen werden.

Die aufgezeigten Getreidequalitäten stellen in diesem Jahr eine sehr gute Grundlage für die Herstellung von Brot und Brötchen dar, zumal auch der Gesundheitszustand des Getreides sich nahezu überall positiv darstellt. In einigen Regionen haben wir mit Mykotoxinen belasteten Weizen ermittelt. Gleiches gilt für die Belastung des Roggens mit Mutterkorn. Auch hier haben wir zwar in vielen Regionen minimale Belastungen analysiert, jedoch weisen einige Regionen, im Vergleich zum Vorjahr, höhere Anteile an Mutterkorn auf. Diese Erkenntnisse stellen aber kein Problem für die Sicherheit unserer Endprodukte dar, da wir frühzeitig Regionen mit einem möglichen Risiko ausschließen und darüber hinaus die Annahme von mangelhaften Anlieferungen verweigern. Zusätzlich stellt unsere permanent überwachte Getreidereinigung eine weitere Sicherheitsbarriere, zur Gewährleistung der Produktsicherheit, dar.

Hinweis: Die aktuellen Ernteberichte der einzelnen Mühlen der GoodMills Deutschland GmbH können am Seitenende eingesehen und heruntergeladen werden.

Ernte 2019 (Brotgetreide) / Stand 07.07.2019

Die Ernte der Gerste ist angelaufen und bereits schon in einigen Regionen abgeschlossen. Der Drusch des Rapses folgt. Bei trockenem Wetter wird auch die Weizenernte zeitnah starten, jedoch mit den üblichen regionalen Zeitverschiebungen.

Die sehr wechselhaften klimatischen Bedingungen (Hitzeperiode, fehlender Niederschlag, Hagel, Sturm) übten regional z.T. erheblichen Einfluss auf das zu erwartende Ernteergebnis aus. So sind regional signifikante Unterschiede hinsichtlich Kornausbildung, Ertrag und inhaltsstoffliche Zusammensetzung zu erwarten.

Der DBV (Deutscher Bauernverband) prognostiziert eine Erntemenge für Weizen in Deutschland von ca. 24 Mio. t, während eine Roggenernte in Deutschland von ca. 3,4 Mio. t, vom DBV erwartet wird.

Ernte 2019 (Brotgetreide) / Stand 06.06.2019

Die neuesten Prognosen der zu erwartenden Erntemengen für den Weizen belaufen sich auf ca. 24, 6 Mio t (DRV: 24,7 Mio t; Stratégie grains: 24,5 Mio t). Diese Prognosen sind mit denen aus dem Mai nahezu vergleichbar, was sicherlich mit den verbesserten klimatischen Bedingungen begründet ist. Die befürchtete Dürre blieb in vielen Teilen Deutschlands aus. Regenfälle (z.T. leider nur regional) sowie kühle Temperaturen verbesserten die Pflanzenentwicklung, so dass der Stand der Entwicklung keine Verspätung aufweist.

Auch die Einschätzung für die zu erwartenden Roggenmengen stabilisiert sich aufgrund der o.a. Gründe. Erwartet werden aktuell ca. 3,7 Mio t (Quelle: DRV).

Die Niederschläge waren zwar für die Pflanzentwicklung bisher ausreichend, jedoch konnten keine Reserven im Boden gebildet werden. Das Defizit in den unteren Bodenschichten bleibt bestehen, so dass auch weiterhin kontinuierliche Regenfälle erforderlich sind.

Ernte 2019 (Brotgetreide) - Ein erster Ausblick - / Stand 03.05.2019

Auch in diesem Jahr begannen unsere Beobachtungen zur qualitativen und quantitativen Einschätzung der kommenden Ernte mit Beginn der Bestellung der Felder.

Die Aussaat im Herbst erfolgte aufgrund einer mangelnden Wasserversorgung in zahlreichen Regionen verspätet, Sie konnte im Oktober 2018 dann doch noch gut voranschreiten, da dann geeignete Temperaturen und ein dosierter Niederschlag einsetzten.

Eine nicht ausreichende Wasserversorgung bereitete den Landwirten im darauffolgenden Winter erhebliche Sorgen, die sich dann aber als nahezu unbegründet darstellten. Leichte Fröste und ein wenig Regen deckten den Bedarf der Pflanzen und sicherten die zukünftige Entwicklung, so dass zum Jahreswechsel lag ein guter Entwicklungsstand der Pflanzen vorlag. Eine Bodensättigung und Anhebung des Grundwasserspiegels erfolgte jedoch nicht, was eine langfristige negative Auswirkung zur Folge haben kann.

Die Temperaturen im Februar und März ermöglichten ein gutes Wachstum, so dass im April ein Vegetationsvorsprung von ca. vierzehn Tagen vorlag. In diesem Zeitraum wurden auch die Sommerungen problemlos ausgesät.

Ende April und Anfang Mai verbesserten eine kühle Witterung und regional leichte Regen zudem die Bestände. Für eine ausreichende und flächendeckende Wasserversorgung reichten die bisherigen Regenmengen jedoch nicht aus.

So berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD), dass die Bodenfeuchten im Jahr 2018 deutlich über denen des aktuellen Jahres liegen. Die Bodenfeuchten in den tieferen Bodenschichten waren 2018 durch die üppigen Niederschläge im Herbst und Winter des Vorjahres ausgesprochen gut. Aktuell sind hingegen diese Bodenspeicher weit weniger gut befüllt. Dieser Umstand und auch die geringen Wasserstände der Flüsse und Seen sind zeitliche Nachwirkungen der letztjährigen Dürre. Es fiel zwar im Dezember 2018 und Januar 2019 mehr Niederschlag, doch das vorliegende Defizit konnte nicht ausgeglichen werden. Folglich benötigt die Landwirtschaft dringend ausreichend Niederschlag, damit das Getreide eine gute Entwicklung nehmen kann. Sollte der erhoffte Niederschlag ausbleiben, droht eine erneute Missernte.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) prognostiziert in seiner zweiten Ernteeinschätzung 2019 für Weizen eine Ertragssteigerung von 18,6 % (bei einer Flächensteigerung von 1,8 %) und damit eine Produktionsmenge von 24,4 Mio t, was einen Anstieg von 20.6 % zum Vorjahr bedeuten würde. Sollte jedoch der erhoffte Niederschlag ausbleiben und eine erneute, durch Trockenheit gekennzeichnete Ernte vor uns liegen, müssen die Ernteeinschätzungen deutlich nach unten korrigiert werden.

Insofern werden die klimatischen Bedingungen - insbesondere im Mai - von sehr großer quantitativer und qualitativer Bedeutung für die Ernte 2019 sein.